Trade-Analyse

Da die einzelnen Trades zu schwer zu sezieren sind und nicht das „große Bild“ betrachtet werden kann, gehe ich von Team zu Team – in alphabetischer Reihenfolge. Früher – in den guten alten Zeiten – wurden Trades gemacht, um das Team besser zu machen. Seit einigen Jahren geht es vermehrt darum, Geld einzusparen. Natürlich machen viele Trades aus sportlicher Sicht keinen Sinn, aus finanzieller Sicht für die Franchises schon. Deswegen müssen immer die jeweiligen Ziele beachtet werden.

Boston Celtics
Neu: Nate Robinson, Marcus Landry (Knicks)
Weg: Eddie House, J.R. Giddens, Bill Walker (Knicks)

Für Boston macht die Verpflichtung von Robinson Sinn. Schon seit Jahren suchen sie nach einem Backup-PG. Robinson könnte die Lösung sein und gibt dem Team Energie und aufgrund seiner Spielweise eine neue Dimension von der Bank. Seine Quote von Downtown steht der von House in dieser Saison in Nichts nach, zudem kann auch Marquis Daniels beim Spielaufbau helfen. Für die Stimmung war House sehr wichtig und Robinson tendiert zum Egozock – hier sind die Veteranen gefordert.

Charlotte Bobcats
Neu: Tyrus Thomas (Bulls), Theo Ratliff (San Antonio)
Weg: Flip Murray, Acie Law & 1st Round Pick (Bulls)

Die Bobcats haben unter dem Korb aufgerüstet. Mit Tyrus Thomas haben sie einen athletischen Vierer bekommen. Top Verpflichtung für Charlotte – vor allem da Thomas Vertrag ausläuft, falls es doch nicht wie gewünscht funktioniert. Ratliff kennt Larry Brown noch aus alten Zeiten bei den Sixers und gibt dem Team noch mehr tiefe. Auf Murray und Law können die ‚Cats verzichten, allerdings wäre eine Verstärkung für den Backcourt nicht verkehrt (siehe Hughes, Larry ganz unten).

Chicago Bulls
Neu: Flip Murray, Acie Law & 1st Round Pick (Bobcats), Hakim Warrick, Joe Alexander (Bucks)
Weg: Tyrus Thomas (Bobcats), John Salmons (Bucks)

Mit Flip Murray haben sich die Bulls Feuerkraft für den Backcourt geholt, da Jannero Pargo nicht die erwarteten Leistungen gebracht hat. Hakim Warrick hilft unter dem Korb und Joe Alexander ist eine Beilage wie Acie Law. Während Thomas gehen musste, weil er sich mit Coach Vinny Del Negro und dem Management nicht verstand, war der Salmons-Deal nur für den Sommer. Nach den vergangenen Playoffs bzw. währenddessen galt Salmons als einer Eckpfeiler des Teams. Diesen Status konnte er nicht beibehalten und zudem verdient er in der kommenden Saison noch 5,8 Millionen Dollar. Durch die auslaufenden Verträge der Neuankömmlinge haben die Bulls genug Kohle, um den verlorenen Sohn Dwyane Wade in seine Heimatstadt zu lotsen.

Cleveland Cavaliers
Neu: Antawn Jamison (Wizards), Sebastian Telfair (Clippers)
Weg: Zydrunas Ilgauskas & 1st Round Pick (Wizards)

Die Cavs tun alles, um die Meisterschaft zu holen. Ob Antawn Jamison aber das entscheidende Puzzleteil ist – ich bin mir nicht sicher. Spielt sich das Team schnell ein ist Cleveland im Osten mit Abstand der Top-Favorit, da sie jeden Spieler, bis auf Dwight Howard verteidigen können. Wenn/Falls Ilgauskas nach seinem Buyout zurückkehrt, könnte sich das aber auch ändern. Telfair ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn er nicht der UBERstar geworden ist, so liefert er doch sehr solide Leistungen und kann den Ball servieren. Wichtig war zudem, dass J.J. Hickson im Kader bleibt. Die Cavs haben nun viele verschiedene Spielertypen für die Positionen um LeBron James herum. Center: Shaq mit dem Rücken zum Korb & wahrscheinlich Ilgauskas mit einem guten Wurf; PF: Jamison mit gutem Wurf und vielseitigem Spiel & Hickson mit Athletik; SG: Parker als Three-And-D & West als Playmaker; PG: Williams als Scorer & Telfair als Verteiler & Gibson als Shooter.

Dallas Mavericks
Neu: Caron Butler, Brendan Haywood, DeShawn Stevenson (Wizards)
Weg: Josh Howard, James Singleton, Quentin Ross (Wizards), Drew Gooden (Clippers via Wizards)

Die Mavs haben sich verbessert. Aber zum Titel reicht es trotzdem nichts. Howard hat zuletzt nichts mehr gebracht, Gooden ist einfach zu weich. Haywood räumte dagegen schon in den ersten Partien unter dem Brett mächtig auf. Butler benötigt noch etwas Zeit, ist aber ein deutlich besserer Spieler als Howard. Stevenson war lange Jahre ein solider Verteidiger und Starter auf der Zwei. In dieser Saison ging bei ihm aber gar nichts. Vielleicht erlebt er in Dallas eine Wiedergeburt, aber auch ohne ihn sind die Mavs obenrum gut genug. Dallas hätte noch einen guten Deal für Dampier finden müssen, um in den Titelkandidatenkreis zu kommen, aber das kann im Sommer nachgeholt werden. Entscheidend für die Bewertung des Trades ist, ob Haywood (Vertrag läuft aus) gehalten werden kann.

Houston Rockets
Neu: Kevin Martin, Hilton Armstrong (Kings), Jared Jeffries, Jordan Hill, 1st Round Pick 2012, Recht auf Tausch der 1st Round Picks 2011 (Knicks)
Weg: Tracy McGrady (Knicks), Carl Landry, Joey Dorsey (Kings)

Der Knicks-Rockets-Kings-Trade hat mich am Meisten schockiert – aus Sicht der Rockets. Aber bei genauerem Hinsehen revidierte sich diese Ansicht. GM Daryl Morey ist ein Fuchs und hat schon viele Diamanten im Dreck der NBA gefunden. Jared Jeffries ist ein guter Verteidiger, auch wenn er überbezahlt ist. Das gibt den Raketen noch mehr Vielseitigkeit. An Jordan Hill scheiden sich die Geister, aber vielleicht kann er in Houston aufblühen. Hilton Armstrong ist Beilage, während Kevin Martin das Filetstück repräsentiert. Der Swingman schießt zu viel und zu wild, trifft nicht gut genug, ist ein schwacher Verteidiger. Alles richtig, aber Coach Rick Adelman kennt Martin bestens aus Sacramento, wo der Shooter in den Playoffs 2006 seinen Durchbruch feierte. Der Coach weiß also, wie er Martin einsetzen muss, damit er effektiv ist. Daryl Morey kennt zudem alle möglich Geheim-Statistiken, die belegen, dass Martin perfekt ins Team passt, sagte Morey jedenfalls Bill Simmons von ESPN. Der Verlust von Landry schmerz natürlich enorm, aber wenn Yao in der kommenden Saison zurückkehrt, wäre er eh überflüssig geworden. In diesem Jahr wird für die Rockets nicht viel gehen, im kommenden Jahr könnten sie mit einem fitten Yao aber ganz oben mitspielen. T-Mac wird nicht nachgetrauert, er hat es sich mit dem Klub verscherzt.

L.A. Clippers
Neu: Travis Outlaw, Steve Blake (Blazers), Drew Gooden (Mavericks via Wizards)
Weg: Marcus Camby (Blazers), Al Thornton (Wizards), Sebastian Telfair (Cavaliers)

Die Clippers haben sich komplett auf den Sommer ausgerichtet. Sie haben nun genug Kohle, um einen Maximalvertrag an einen Free Agent anzubieten. Rudy Gay könnte aber schon reichen. Auf Small Forward hat das Team die größte Lücke. Outlaw, Blake und Gooden sind alles solide Spieler, die bei guten Leistungen weiterverpflichtet werden könnten. Cambys Vertrag lief ebenfalls aus und der Power Forward wäre auch gerne ein Clipper geblieben, aber die Verantwortlichen wollen wohl lieber jüngeren Spieler eine Chance geben (DeAndre Jordan, Craig Smith). Telfair wird 1-zu-1 von Blake ersetzt, Thornton von Outlaw.

Memphis Grizzlies
Neu: Ronnie Brewer (Jazz)
Weg: 1st Round Pick (Jazz)

Memphis braucht Hilfe auf dem Flügel, die kommt mit Brewer. Der 1st Round Pick tut nicht weh, die Grizzlies haben immer noch zwei. Ob es trotzdem noch für die Playoffs reicht, bleibt abzuwarten. Brewer wird Restricted Free Agent, könnte aber die Versicherung für einen Abgang von Rudy Gay sein.

Milwaukee Bucks
Neu: John Salmons (Bulls), Primoz Brezec, Royal Ivey (76ers)
Weg: Hakim Warrick, Joe Alexander (Bulls), Francisco Elson, Jodie Meeks (76ers)

Warricks Defense war Scott Skiles zu schwach, deswegen spielte Luc Richard Mbah a Moute viel. Joe Alexander kann getrost als Draft-Flop bezeichnet werden. Salmons gibt dem Team nach der erneuten schweren Verletzung von Michael Redd einen Scorer zu einem akzeptablen Preis. Klarer Angriff auf die Playoffs und guter Tausch. Den Trade von Elson und Meeks gegen Brezec und Ivey verstehe ich nicht. Alle vier haben wenig gespielt, Meeks zeigte immerhin ein paar Mal gute Ansätze. Redundant.

Minnesota Timberwolves
Neu: Darko Milicic (Knicks)
Weg: Brian Cardinal (Knicks)

Die Wolves scheinen darauf zu hoffen, dass Milicic vielleicht doch noch explodiert. Sowohl der Vertrag des Serben, als auch Cardinals Deal laufen aus. Milicic hat allerdings schon angekündigt nach Europa zurückkehren zu wollen, um dort fettes Gehalt einstreichen zu können.

New York Knicks
Neu: Tracy McGrady (Rockets), Eddie House, J.R. Giddens, Bill Walker (Celtics), Sergio Rodriguez (Kings), Brian Cardinal (Timberwolves)
Weg: Jared Jeffries, Jordan Hill, 1st Round Pick 2012, Recht auf Tausch der 1st Round Picks 2011 (Rockets), Nate Robinson, Marcus Landry (Celtics), Larry Hughes (Kings), Darko Milicic (Timberwolves)

Donny Walsh hat es tatsächlich geschafft Jeffries loszuwerden. Das hat – wenn man Jordan Hill mit einrechnet – drei Erstrundenpicks gekostet. Die Ausgangslage ist nun so, dass die Knicks zwei Maximalverträge anbieten können. Mit House haben sie einen Spieler, der perfekt in D’Antonis System passt und auch nach dem Sommer noch im Big Apple bleiben könnte. Gleiches gilt für Sergio Rodriguez. Der talentierte Spanier ließ sein Können in Portland und Sacramento einige Male aufblitzen, konnte sich aber nie vollends durchsetzen. Mit Vertrauen vom Coach könnte er sich aber etablieren und die Fans mit seinen verrückten Pässen und Dribblings begeistern. T-Mac begann stark (26 PKT), verletzte sich aber bereits im zweiten Spiel mal wieder. Er kann einfach nicht mehr gesund bleiben. Falls wirklich zwei Superstars im Sommer kommen, könnte McGrady für wenig Geld unterschreiben. Gepaart mit den anderen Jungs im Kader könnte es dann in die Playoffs gehen. Warten wir aber einfach ab, wie es weitergeht. Gute Deals von Walsh.

Philadelphia 76ers
Neu: Francisco Elson, Jodie Meeks (Bucks)
Weg: Primoz Brezec, Royal Ivey (Bucks)

Siehe Kommentar bei den Bucks. Leichtes Plus für die Sixers.

Portland Trail Blazers
Neu: Marcus Camby (Clippers)
Weg: Steve Blake, Travis Outlaw (Clippers)

Die Blazers sind tief auf der Drei (Batum, Webster) und der Eins (Miller, Bayless) besetzt, dafür nach Odens und Przybillas Ausfällen unter dem Korb nicht. Guter Trade, vor allem, da Camby durchaus gehalten werden kann (Vertrag läuft aus). Leider verletzte sich Camby schnell – da kann der GM allerdings nichts dafür, auch wenn der Cambyman verletzungsanfälliger ist als Elijah Price.

Sacramento Kings
Neu: Carl Landry, Joey Dorsey (Rockets), Larry Hughes (Knicks), Dominic McGuire (Wizards)
Weg: Kevin Martin (Rockets), Sergio Rodriguez (Knicks)

Top Tausch für die Kings. Martin und Evans im Backcourt ging einfach gar nicht, zudem muss die Franchise sparen, Martins Vertrag half da wenig. Hughes läuft dagegen aus. Obwohl er entlassen wurde, müssen die Kings aber die restlichen Millionen zahlen. Rodriguez spielte wenig, da Beno Urih als Backup auf der Eins gesetzt ist. Unter dem Korb hilft Landry, einer der Top-Anwärter auf die Auszeichnung zum besten sechsten Mann, immens. Auch die Könige haben im kommenden Sommer reichlich Platz und dem Salary Cap und einen talentierten Kader.

Utah Jazz
Neu: 1st Round Pick (Grizzlies)
Weg: Ronnie Brewer (Grizzlies)

Die Jazz geben weiter Qualität ab. Immerhin sind sie auf dem Flügel mit C.J. Miles, Rookie Wes Matthews und auch Kyle Korver gut besetzt. Der Trade wurde jedoch nur gemacht, um Geld zu sparen. Was wäre, wenn Kirilenko und Okur nicht so überbezahlt wären?

Washington Wizards
Neu: Josh Howard, James Singleton, Quentin Ross (Mavericks), Zydrunas Ilgauskas (Cavaliers), Al Thornton (Clippers)
Weg: Caron Butler, Brendan Haywood, DeShawn Stevenson (Mavericks), Antawn Jamison (Cavaliers), Dominic McGuire (Kings)

Winterschlussverkauf bei den Wizards. Alles muss raus. Howard, der sich seit Monaten mit Verletzungen plagt, zog sich bereits im vierten Spiel einen Kreuzbandriss zu und fällt den Rest der Saison aus. Im Sommer wird seine Teamoption eh nicht gezogen und der Swingman wird Free Agent. In Washington geht es an den Neuaufbau. Blatche spielt nach Jamisons Abgang deutlich besser, vielleicht kann er sein Potential in Produktion umsetzen. Auch JaVale McGee und Al Thornton können sich so entwickeln. Im Sommer ist zudem reichlich Platz (trotz Arenas‘ Vertrag) unter dem Salary Cap. Vielleicht kann ja sogar Obama verpflichtet werden.

Die neuen Free Agents

Zydrunas Ilgauskas

Big Z will gerne zurück zu den Cavs, aber auch die Mavericks haben Interesse am Center bekundet. Vielleicht kann Mark Cuban Ilgauskas überreden, aber alles andere als die Rückkehr nach Cleveland ( sobald die 30-Tage-Frist abgelaufen ist) wäre eine große Überraschung.

Larry Hughes

Die Kings haben Hughes entlassen. Die Bobcats haben bereits durchsickern lassen, dass sie den Swingman gerne im Team hätten. Würde auch gut passen. Im Backcourt kann Charlotte noch Verstärkung gebrauchen und mit Larry Brown gibt es einen Trainer, der aus einem Spieler wie Hughes das Maximum herausholen kann. Allerdings könnte Hughes noch vier Wochen mit einem gebrochenen linken Ringfinger ausfallen.

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