Deutschlands State of Mind – EM-Bewerbung 2013 [UPDATE 31.05.]

Update 31.5.

Heute hat die FIBA Europe bekanntgegeben, dass das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Mannschaften ab der EuroBasket 2013 erhöht wird (Quelle: DBB) [Außerdem wird die Anzahl der Spieler, die im Kader stehen dürfen, von 12 auf 14 angehoben. Pro Spiel dürfen aber weiterhin nur 12 Akteure eingesetzt werden.]. Die Erhöhung bedeutet natürlich, dass nun mehr als sechs/sieben Hallen benötigt werden. Außerdem wird die Organisation anspruchsvoller und auch die mit den Hallenstandorten verbundene Infrastruktur wird noch wichtiger.

Was bedeutet das für eine mögliche Bewerbung des DBB? Die Chancen für Deutschland sind durch die Vergrößerung des Teilnehmerfeldes gestiegen. Bosnien-Herzegowina und Slowenien dürften als Bewerber nun endgültig wegfallen, hinter Tschechien steht nun mindestens ein dickes Fragezeichen. Bleiben noch Italien und Kroatien als realistische Konkurrenten. Ich hab an verschiedenen Stellen ein Update angefügt. Immer in eckigen Klammern.

Originaltext

80.000 Zuschauer jubeln als er angekündigt wird. Diese Europameisterschaft ist sein Abschiedsturnier, danach wird der große Blonde seine Karriere beendet. Die EM im eigenen Land soll der krönende Abschluss werden. Noch einmal, um eine Medaille spielen, vielleicht Bronze von 2002 wiederholen. Jetzt betritt Dirk Nowitzki das Parkett in der restlos ausverkauften Arena Auf Schalke zum Eröffnungsspiel…
Momentan ist es nur ein Traum und das Eröffnungsspiel der aktuellen Eishockey-Weltmeisterschaft (checkt dieses YouTube-Video) beeinflusst diesen nachhaltig. Auch wenn der Zuschauerekord vom NBA Allstar Game in Dallas im vergangenen Februar nicht gebrochen werden kann, doch vielleicht der Deutsche, den bislang ein Spiel der Harlem Globetrotters vom 22. August 1951 in Berlin hält (75.000).

Der Grund für die Wunschvorstellung ist ein einfacher: der Deutsche Basketball Bund (DBB) zeigt Interesse an der Ausrichtung der Europameisterschaft 2013. Neben Deutschland haben noch Bosnien und Herzegowina, Italien, Kroatien, Slowenien und Tschechien ihr Interesse bekundet. Der Zeitplan, der zugegenermaßen sehr knapp ist, sieht vor, dass die Interesse Mitte Juni das „Bid Dossier“ und das „Event Manual“ – also im Endeffekt die Anforderungen und Unterlagen für die Bewerbung – bekommen. Bis zum 31. August muss dann eine formale Bewerbung abgegeben werden. Die FIBA Europe Bewertungskommission besucht danach im September und Oktober die möglichen Ausrichterländer, erstellt einen Bericht und liefert diesen dann den Vorstand der FIBA Europe. Bei der Herbstsitzung des Vorstandes präsentiert sich jeder Bewerber noch einmal, danach wird eine Entscheidung getroffen.

Mögliche Spielorte

Vergleichen wir zunächst die drei letzten und die kommende EM (alle Angaben laut den offiziellen EuroBasket-Homepages, außer Litauen: Wikipedia)

2005, Serbien: 4 Spielorte, 5 Hallen
(Gruppenphase: 3.600, 4.200, 8.150, 11.000; ab Viertelfinale: 20.000)
2007, Spanien: 5 Spielorte, 6 Hallen
(Gruppenphase: 5.425, 6.000, 7.500, 10.000; Zwischenrunde: 10.500; Finale: 15.500)
2009, Polen: 7 Spielorte, 7 Hallen
(Gruppenphase: 5.000, 5.000, 5.500, 7.000; Zwischenrunde: 8.000, 11.500; ab Viertelfinale: 11.500)
2011, Litauen: 6 Spielorte, 6 Hallen
(Phasen noch nicht verfügbar: dreimal 5.500, 5.656, 11.000, 15.000)

Für Deutschland wäre ein ähnliches System wie in Spanien und Polen möglich: Die Gruppenspiele an vier verschiedenen Orten auszutragen – in Hallen, die zwischen 5.000 und 8.000 beherbergen können. Die Zwischenrunde an zwei (oder wie in Spanien einem) neuen Spielorten mit etwas mehr Fassungsvermögen und ab dem Viertelfinale in einer großen Halle zu spielen. Ein Eröffnungsspiel auf Schalke wäre dabei sicherlich denkbar, muss aber auch nicht unbedingt sein.

[Hauptfrage der Erhöhung: Wie werden die Gruppen gebildet? Wie bei einer WM mit 4 Gruppen à 6 Teams oder 6 Gruppen à 4 Teams? Bei 6 Gruppen würde es definitiv zwei weitere Hallen für die Vorrunde geben. Hieße als 6 (Gruppenphase) + 2 (Zwischenrunde) + 1 (ab Viertelfinale) gleich 9 Hallen. Bei 4 Gruppen wäre folgendes denkbar: 4 (Gruppen) + 2 (Zwischenrunde) + 2 (Viertelfinale & Platzierungsspiele) + 1 (Halbfinale & Finale) ebenfalls gleich 9 Hallen. Allerdings wäre es auch mit 7 oder 8 zu machen]
Für Deutschland würde das bedeuten, dass die O2-World (14.800 Zuschauer, 2008 eröffnet) in Berlin ab Viertelfinale gesetzt ist. Müssen also noch fünf bis sechs weitere Arenen gefunden werden. Fangen wir bei den Kandidaten für die Gruppenphase an (Auswahlkriterien: moderne Halle, gute Infrastruktur, Metropole/region):

Telekom Dome Bonn, 2008, ca. 6.000 Zuschauer
Volkswagen Arena Braunschweig, umgebaut 2006, ca. 6.600 Zuschauer
Bremen Arena, 2005, ca. 9.000 Zuschauer
TUI Arena Hannover, 2000, ca. 10.000 Zuschauer
Arena Leipzig, 2002, ca. 7.000-8.000 Zuschauer
Arena Nürnberg, 2001, ca. 9.000 Zuschauer
Porsche Arena Stuttgart, 2006, ca. 6.000 Zuschauer

Bamberg beispielsweise hätte ein aktzeptable Halle, allerdings ist die Stadt zu klein für eine Europameisterschaft. Gleiches gilt auch für Trier.

Kandidaten für die Zwischenrunde:

ISS Dome Düsseldorf, 2006, ca. 13.500 Zuschauer
Westfalenhalle Dortmund, 1952, ca. 12.000 Zuschauer
Gerry-Weber-Stadion Halle (Westfl.), 1993, ca. 11.000 Zuschauer
O2-World Hamburg, 2002, ca. 13.000 Zuschauer
Lanxess Arena Köln, 1998, ca. 19.000 Zuschauer
SAP Arena Mannheim, 2005, ca. 13.000 Zuschauer
Olympiahalle München, momentan renoviert, ca. 12.000 Zuschauer

14 mögliche Hallen stehen mindestens bereit, bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass sicherlich nur eine Stadt aus Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Halle ausgewählt wird. Außerdem geht nur entweder Bremen, Braunschweig oder Hannover, ebenso wie Stuttgart oder Mannheim.

[Hier könnte es nun denkbar sein, dass zwei aus Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Halle ausgewählt werden]

Mein Vorschlag:

Gruppenphase: Deutsche Gruppe in Lanxess Arena Köln (wird dadurch gut gefüllt), TUI Arena Hannover (Nähe zu Basketball-Standorten Bremerhaven, Braunschweig, Göttingen, Paderborn), SAP Arena Mannheim und Arena Nürnberger Versicherungen. [mögliche Standorte bei 6 Gruppen: Bremen und Leipzig]
Zwischenrunde: O2-World Hamburg und Olympiahalle München; Alternative: Köln und München tauschen
ab Viertelfinale: O2-World Berlin [Möglich außerdem: je 2 Viertelfinals in Köln/München und Berlin, danach Halbfinale und Finale in Berlin. Platzierungsspiele in Hamburg und Mannheim.]
Begründung: Mit Köln, Hannover, Mannheim, Nürnberg, Hamburg, München und Berlin wird Deutschland sehr gut abgedeckt, theorethisch kann so jeder Interessierte in einer Fahrzeit von maximal drei Stunden an einen der Standorte gelangen. Zudem kommen die großen, modernen Hallen zum Einsatz, auch die Infrastruktur ist an allen Standorten sehr gut. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Hallen nicht voll werden. Auch für die Sponsoren sind diese Standorte interessanter.

TV- und Sponsor-Situation

Sicherlich der Knackpunkt der Bewerbung. Immerhin hat die Bundesliga seit dieser Saison einen TV-Vertrag. Die letzten internationalen Turniere wurden ebenfalls übertragen – wenn auch fast nur das deutsche Team. Könnten die Öffentlich-Rechtlichen ins Boot geholt werden, wäre ein großer Schritt getan. An Sponsoren sollte es dann nicht mangeln, auch so dürften einige Unternehmen Interesse zeigen – wenn Nowitzki spielen sollte. Nachteil für den DBB ist, dass Basketball hinter Fußball und Handball allenfalls die Nummer drei in der öffentlichen Wahrnehmung ist. Wie sehr das ein Turnier im eigenen Land aber ändern kann, sehen wir aktuell an der Eishockey-WM. [oder am Eurovision Song Contest]

Die Konkurrenten

Bosnien und Herzegowina sowie Tschechien haben maximal Aussenseiterchancen, sollten sie sich tatsächlich bewerben. Die größte Konkurrenten sich Italien und Kroatien, wobei Slowenien Geheimtipp werden könnte – wieder falls sich die Verbände bewerben. Wichtig für die FIBA Europe dürften neben den Hallen, vor allem die Sponsoren- und Mediensituation sein. Auch der sportliche Aspekt dürfte eine Rolle spielen, allerdings wurde die EM auch schon in Schweden (2003) und Polen (2009) ausgerichtet, die nicht gerade für Spitzenbasketball bekannt sind. Außerdem dürfte es nicht unwesentlich sein, ob in den vergangenen Jahren FIBA-Turniere oder Euroleague/Eurocup-Finals ausgerichtet wurden.

Italien:
Die Italiener würden bei einer Bewerbung der größte Konkurrent werden, da nach Polen (2009) und Litauen (2011) die EM 2013 wohl in Westeuropa stattfinden soll. An öffentlichem Interesse und damit auch Sponsoren sollte es in Italien nicht Mangeln. Sechs vernünftige Hallen sind ebenfalls vorhanden. Bleibt die Frage nach der Organisation und der Mannschaft. NBA-Spieler gibt es, aber danach?
Ausgerichtete Turniere (seit 2000): Frauen EM 2007, U16 EM 2008, U20 EM 2008 (Frauen)
Euroleauge Final Four 2002, Euroleauge Final Four 2001 (Frauen)
ULEB Cup Final Eight 2008 & 2009, EuroChallenge Final Four 2009

[Durch die Erhöhung müssten die Italiener einige Hallen renovieren lassen oder womöglich neue bauen. Ansonsten sicherlich der Hauptkonkurrent einer DBB-Bewerbung]

Kroatien:
2009 wurde die Handball-WM mit großem Erfolg ausgetragen, tolle Hallen sind dadurch ebenfalls vorhanden. Fragezeichen stehen hinter den Finanzen. Sportlich dürfte das Team top sein. Nachteil ist, dass mit Serbien (2005), Polen und Litauen Osteuropa drei der vier letzten Europameisterschaften austrug.
Ausgerichtete Turniere (seit 2000): U18 EM 2000, U20 EM 2002 (Frauen), U20 EM 2010

[Einige Hallen könnten zu klein sein, durch die Erhöhung sind nicht mehr genügend Top-Arenen vorhanden. Außerdem deutet vieles darauf hin, dass die FIBA Europe die EuroBasket lieber in Westeuropa veranstalten würde.]

Slowenien:
Über die Hallensituation in Slowenien habe ich keinerlei Informationen. Sportlich ist das Team aber gut und auch öffentliches Interesse vorhanden. Aber kann Slowenien die Organisation einer EM stemmen?
Ausgerichtete Turniere (seit 2000): U20 EM 2007

Tschechien:
Ausgerichtete Turniere (seit 2000): U20 EM 2004, U20 EM 2005 (Frauen)
Euroleauge Final Four 2006, Euroleauge Final Four 2006 & 2008 (Frauen)

Bosnien und Herzegowina:
Ausgerichtete Turniere (seit 2000): keine

Die Chancen
Deutschland war bislang zweimal Ausrichter einer EM. 1985 und 1993. Hauptvorteil dürften Dirk Nowitzki und die exzellente Hallensituation sein. Dass Dirk bei einer Heim-EM spielen wird, steht wohl außer Frage. Auch von Organisatorischen dürfte es keine Probleme geben. Bei der U17-WM im Sommer in Hamburg wird sich zeigen, ob genug Interesse am Basketball besteht. Auch das Abschneiden und das öffentliche Interesse an der WM in der Türkei wird eine Rolle bei der Vergabe spielen. Abzuwarten bleibt, welche Länder sich wirklich bewerben. Neben Deutschland gilt Italien als sicherer Kandidat. Im direkten Duell stehen die Chancen momentan 50:50. Kroatien und mit Abstand Slowenien folgen auf den Plätzen. Für Bosnien und Herzegowina sowie Tschechien ist die Ausrichtung (noch) nicht realistisch, allerdings könnte sie sich bewerben, um für die Zukunft ein Signal zu setzen.
Ausgerichtete Turniere (seit 2000): U18 EM 2002, U17-WM 2010
Euroleauge Final Four 2009, EuroChallenge Final Four 2010

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